03.03.2010: Erich Ribolits
Univ. Prof., Institut für Bildungswissenschaften, Universität Wien
Möglichkeiten und Grenzen emanzipatorischer Bildung an den Universitäten
In den letzten Jahren flammt immer wieder – zuletzt in Zuge der Studierendenproteste im WS 09/10 – Kritik an der eindimensionalen Ausrichtung universitärer Studien an ökonomischen Verwertungskriterien auf. Moniert wird, dass im Zuge der seit einigen Jahren vorangetriebenen Neustrukturierung der Studien die hinter dem Begriff Bildung stehende Idee der Entwicklung des Subjekts zum autonomen Individuum (auch) an der Universität verloren ginge und an seine Stelle eine an betriebswirtschaftlicher Verwertung ausgerichtete Zurichtung trete. Universitärer Bildung werde auf den Status einer kauf- und verkaufbaren Ware herabgewürdigt und Bildungsangebote auf eine durch Studiengebühren und andere Zugangshürden künstlich knapp gehaltene Dienstleistung verkürzt.
Mit der Kritik geht vielfach – mehr oder weniger offen – die Behauptung einher, dass Universitäten vor den aktuellen Reformen ein Hort mündig machender Bildung gewesen seien. Zudem wird überwiegend so getan, als ob sich die Universitäten aus den die Gesellschaft als Ganzes prägenden Kampf Jede/r gegen Jede/n heraushalten und unter der Prämisse emanzipatorischer Bildung agieren könnten. Beide Behauptungen – es wäre früher um die Sache der Bildung grundsätzlich besser gestanden und für Universitäten bestünde die Möglichkeit, sich der allgemeinen Verkürzung von Bildung zu einer Ware grundsätzlich zu widersetzen – führen dazu, dass die Kritik in der Regel auf kulturpessimistischer Ebene verharrt; eine Analyse der hinter den Phänomenen wirksamen gesellschaftlichen Kräfte erfolgt nicht. Genau eine solche erscheint allerdings notwendig, damit der Ruf nach Bildung statt Ausbildung nicht zu zahnloser Kampfrhetorik verkommt und sich seine Proponenten nicht zu hilflosen Anklägern der Gegenwart und bewusstlosen Lobredner vergangener Zeiten machen – sie soll im gegenständlichen LV-Block geleistet werden!